Mai 2019

Lieber Theaterbesucher!

In seinem Buch ‚Der wilde Kontinent‘ beschreibt der britische Historiker Keith Lowe (*1970) ein apokalyptisches Szenario:

Versuchen Sie sich eine Welt vorzustellen, in der es keine Institutionen gibt. Menschen durchstreifen das grenzenlose Land auf der Suche nach Gemeinschaften, die nicht mehr existieren. Es gibt keine Verwaltungen mehr, keine Schulen und Universitäten, keine Bibliotheken und Archive. Die Menschen haben keinerlei Zugang zu Informationen. Es gibt keine Kinos oder Theater und natürlich auch kein Fernsehen. Das Radio funktioniert gelegentlich, aber das Signal ist schwach. Eine Zeitung hat seit Wochen niemand mehr in der Hand gehabt - abgesehen von dem, was mündlich weitergegeben wird, ist die Kommunikation unmöglich. Es gibt keine Werkzeuge, außer denen, die man im Schutt findet. Es gibt keine Nahrung. Recht und Ordnung existieren praktisch nicht mehr, denn es gibt weder Sicherheitskräfte noch ein Justizsystem. Bewaffnete Männer ziehen durch die Straßen, nehmen sich, was sie wollen, und bedrohen jeden mit dem Tod, der sich ihnen in den Weg stellt. Die Menschen haben jedes Schamgefühl verloren, es zählt nur das nackte Überleben. Heute scheint es uns, als könnte es eine solche Welt nur in der Phantasie von Hollywood-Drehbuchautoren geben. Aber noch leben hunderttausende Menschen, die vor Jahrzehnten tatsächlich unter solchen Bedingungen ihr Dasein fristen mussten - und zwar nicht in einem abgelegenen Winkel der Erde, sondern im Herzen jener Region, die heute als die stabilste und am höchsten entwickelte der Welt gilt: in Europa.

Dass sich Europa wie ein Phoenix aus der Asche zu einem einzigartigen Friedensprojekt erhob, wirkte wie ein Wunder. Führende europäische Persönlichkeiten waren überzeugt, dass die Probleme nur grenzüberschreitend gelöst werden können, und dem Krieg folgte ein einmaliger europäischer Integrationsprozess. Ihm verdanken wir unseren Wohlstand und die längste Friedenszeit seit dem Römischen Reich. Zur anstehenden Europa-Wahl möchten wir daran mit unserem Mai-Spielplan erinnern. Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

Mit freundlichen Grüßen
Norbert Eilts

Empfehlung:

Am Sonntag dem 5. Mai um 18 Uhr und am Montag dem 6. Mai um 16 Uhr zeigen wir Schiller, was nun. Friedrich Schiller - ein europäischer Dichter. Mit Herz, Mut, Liebe zu Freiheit und Gerechtigkeit redet der Dichter der Europahymne leidenschaftlich der Verbesserung das Wort. Stefan Österle vermittelt den singulären Klassiker mit seinen mustergültigen Aussagen zur Lebenswirklichkeit.

Der aktuelle Spielplan steht für Sie unter www.wortkino.de für Sie bereit.

Wortkino/Dein Theater unterwegs:

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