November 2021

Liebes Publikum!

Es kann ja nicht immer so bleiben
hier unter dem wechselnden Mond;
es blüht eine Zeit und verwelket,
was mit uns die Erde bewohnt.

Es haben viel fröhliche Menschen
lang vor uns gelebt und gelacht;
den Ruhenden unter dem Rasen
sei fröhlich der Becher gebracht!

Es werden viel fröhliche Menschen
lang nach uns des Lebens sich freu’n,
uns Ruhenden unter dem Rasen
den Becher der Fröhlichkeit weih’n.

August von Kotzebue (1761-1819)

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Alles, was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht, schrieb Johann Wolfgang von Goethe. Neben manchen Tieren, wie dem Syrischen Halbesel, der Goldkröte und dem Blauen Glasaugenbarsch, verschwanden auch diverse Berufe. Den Laternenanzünder, den Harzer und den Türmer gibt es nicht mehr. Auch Wörter werden geboren, welken und sterben. Zum Beispiel die Uchse (Achselhöhle), der Harnprophet (Arzt) und der Meerschäumer (Pirat). Spannend wird es, wenn Wörter ihre Bedeutung verändern. Der Ausdruck Materie bedeutete einmal Eiter, wer vom Küssen sprach, meinte ein Kissen und mit segnen konnte auch verfluchen gemeint sein – Luther gebrauchte es an einigen Stellen seiner Bibelübersetzung in diesem Sinne. Das Verb entstehen drückt heute nur den Ursprung von etwas aus, aber zu Goethes Zeit verband sich damit auch die Vorstellung des Mangelns und Fehlens – was ist also laut Goethe wert, dass es zugrunde geht?

Wenn Sie Brast (Gram, Sorgen) haben und Ihnen die Zukunftsaussichten glum (trübe) erscheinen, gehen Sie nicht ins Elend (Exil), sondern kommen Sie zu Ihren spielenden, singenden, zuschauenden und zuhörenden Nebenmenschen (Mitmenschen) ins Wortkino. Dort können Sie im Trauermonat Ihre Resilienzen stärken. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Mit herzlichen Grüßen und allen guten Wünschen für Ihre Gesundheit,
Norbert Eilts
für das Ensemble

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